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Generation Langzeitvertrag trifft Generation Sabbatical – Teil 2
Wenn Sicherheit plötzlich etwas anderes bedeutet. Ein zweiter Blick auf den Generationenkonflikt zwischen Babyboomern und Gen Z – und was Unternehmen daraus lernen.
Andreas Ablinger
Culture, People & Communication
- Leadership & Führung
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- Selbstakzeptanz
Wenn Sicherheit plötzlich etwas anderes bedeutet
Leo hat sich entschieden. Gegen die Bank. Gegen den Langzeitvertrag. Gegen eine sichere Karriere in einem etablierten Unternehmen. Stattdessen: Startup, Berlin, Remote-Job. Ausprobieren statt Absichern.
Was am Küchentisch der Familie Schwarz beginnt, zieht weite Kreise – hinein in die Arbeitswelt, hinein in die Chefetagen. Denn was zwischen Leo und Rudolf passiert, erleben heute viele Führungskräfte im Alltag: zwischen Babyboomern und der Generation Z. Täglich. Überall.
Sicherheit war früher ein Ziel – heute ist sie oft eine Illusion
Rudolf hat sein Leben lang gearbeitet, um Sicherheit zu schaffen. Er steht für das klassische Bild eines loyalen, verantwortungsvollen Arbeitnehmers. Einer, der bleibt. Der sich hocharbeitet. Für den Besitz – vom Eigenheim bis zur Betriebspension – Freiheit bedeutete.
Leo dagegen ist in einer Welt aufgewachsen, in der Sicherheit nicht mehr automatisch mit einem festen Arbeitsplatz verbunden ist. Für ihn bedeutet Sicherheit, beweglich zu bleiben – Optionen zu haben. Ein stabiles Netzwerk gibt ihm mehr Halt als ein unbefristeter Vertrag. Eigentum ist kein Ziel mehr, sondern oft ein unerreichbarer Luxus.
Diese Sichtweise sorgt für Reibung. Rudolf sieht in Leos Entscheidung Unsicherheit. Leo sieht darin längst Normalität – nicht als Bedrohung, sondern als Startpunkt für Flexibilität.
„Wenn die Welt unsicher ist, lebt man auch so“
Rudolf kennt dieses Gefühl. In seiner Jugend gab es keine großen Entscheidungsspielräume. Fragen wie „Was will ich eigentlich?“ oder „Wo liegt mein Sinn?“ – sie kamen nicht vor. Kaum im arbeitsfähigen Alter, musste man Geld verdienen. Auszeit? Undenkbar.
Er gehörte zur sogenannten Arbeitergeneration – geprägt von Fleiß, Pflicht und dem Wunsch, ein stabiles Leben aufzubauen. Leo lebt heute genau dieses bessere Leben. Und Rudolf muss lernen, es nicht als Vorwurf zu sehen – sondern als Ergebnis seines eigenen Einsatzes.
Arbeit als Lebensmodell vs. Arbeit als Lebensinhalt
Für Rudolf ist Arbeit Fundament, Pflicht und Leistung. Das Leben wird um den Beruf herum gebaut. Loyalität ist selbstverständlich. Leo sieht Arbeit als Teil eines Ganzen. Sie soll sinnvoll sein, Raum lassen fürs Leben. Der Job muss zum Leben passen, nicht umgekehrt. Es geht nicht ums Wo, sondern ums Warum.
„Ich arbeite eh genug. Ich will halt leben, bevor ich alt bin“, sagt Leo. Und spricht damit vielen aus der Seele. Diese Haltung ist nicht undankbar – sie ist eine Konsequenz. Aus veränderten Voraussetzungen, neuen Möglichkeiten und einem anderen Blick auf das, was zählt.
Führung: Von der Manege zur Moderation
Nicht umsonst steckt in „Manager“ die Manege – mit der Dressur. Das klassische Führungsmodell war klar: Oben wird gedacht, unten wird gemacht. Druck erzeugt Leistung. Das funktionierte lange. Heute nicht mehr. Druck führt zu Flucht.
Führung heißt heute: Räume öffnen. Für Sichtweisen, Bedürfnisse, Stärken. Führungskräfte sind Brückenbauer:innen zwischen Generationen und Werten. Keine einfache Rolle – aber eine entscheidende.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Zuhören wird zur Führungsdisziplin
Wer Loyalität nicht mehr voraussetzen kann, muss verstehen, was Menschen hält – und motiviert. Die Antwort beginnt beim Zuhören. Nicht erst im Exitgespräch, sondern davor.
Motivation braucht Individualisierung
Was früher der Dienstwagen war, ist heute oft Flexibilität, Entwicklung, Sinn. Es gibt nicht die eine Währung, die für alle gilt. Wer motivieren will, muss Menschen sehen – als Individuen.
Kultur ist kein Onboarding-PDF
Kultur zeigt sich im Alltag: Wie begrüßen wir neue Mitarbeitende? Wer wird gehört? Wer fühlt sich gesehen? „So haben wir das immer gemacht“ ist keine Strategie – sondern ein Denkfehler.
Zwischen den Zeilen liegt die Wahrheit
In meiner Arbeit mit Unternehmen nehme ich mir zu Beginn oft Zeit für persönliche Gespräche – nicht nur mit Führungskräften, sondern mit Mitarbeitenden quer durchs Haus. Wird Kultur negativ erlebt, sinken Empfehlungen, Bewerbungen bleiben aus. Eine positiv erlebte Kultur zeigt sich anders: Mitarbeitende werden zu Botschafter:innen.
Fazit: Brücken statt Mauern
Die Geschichte von Leo und Rudolf steht für vieles, was heute in Unternehmen passiert: Unterschiedliche Generationen treffen aufeinander. Mit anderen Werten, Biografien, Erwartungen. Das sorgt für Spannungen – aber auch für Chancen. Denn wo Vielfalt ist, entsteht Neues.
Wie ist das in Ihrer Organisation?
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