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Konflikte im Arbeitsalltag – Entstehung und welche Rolle Wahrnehmung dabei spielt

„Das hab ich so nicht gemeint!“ – Wie Wahrnehmung Konflikte beeinflusst. Über das Process Communication Model und sechs Wahrnehmungsstile.

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Andreas Ablinger

Culture, People & Communication

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„Das hab ich so nicht gemeint!“ – Wie Wahrnehmung Konflikte beeinflusst

Am Esstisch der Familie Schwarz kann es schon mal heiß hergehen. Besonders, wenn Onkel Max und Rudolf, das Familienoberhaupt, anwesend sind. Max ist der erfolgreiche Unternehmer – immer in Bewegung, risikofreudig und ungeduldig gegenüber langen Diskussionen. Rudolf hingegen ist sein Gegenpol: nachdenklich, werteorientiert und jemand, der Themen tiefgründig durchdringen will.

Eines Abends entbrennt zwischen den beiden eine hitzige Diskussion. Rudolf ist empört über die jüngsten Entwicklungen in der US-Politik. „Das ist eine Katastrophe! Die Welt steuert auf eine Krise zu!“, ruft er. Onkel Max winkt ab. „Ach, komm schon, Rudolf. Du siehst immer nur das Negative! Das könnte auch eine wirtschaftliche Chance sein.“

Die Stimmung kippt. Während Rudolf und Max lautstark aneinandergeraten, flüchten sich die übrigen Familienmitglieder stillschweigend in ihre Lasagne. Rudolf fühlt sich nicht ernst genommen – seine Überzeugungen werden abgewertet. Max hingegen ärgert sich über das, was er als Panikmache empfindet.

Warum reden wir oft aneinander vorbei?

Wahrnehmung ist weder objektiv noch neutral – und sie entwickelt sich auch nicht erst im Erwachsenenalter. Bereits im ersten Lebensjahr werden unsere Wahrnehmungsmuster geprägt. Diese bleiben uns ein Leben lang erhalten.

Verhaltensforschung und das Prozess Communication Model zeigen: Menschen nehmen ihre Umwelt sehr unterschiedlich wahr. Diese Unterschiede basieren auf inneren psychologischen Bedürfnissen und auf der Art, wie wir Erlebnisse abspeichern und interpretieren.

Gerade unter Stress wird das besonders sichtbar: Wir kommunizieren dann nicht mehr sachlich, sondern aus unseren inneren Mustern heraus – oft unbewusst.

PCM: Sechs Wahrnehmungsarten, sechs Kommunikationsstile

Der Psychologe Taibi Kahler, Begründer des Prozess Communication Model, hat sechs typische Wahrnehmungs- und Kommunikationsstile beschrieben:

  • Denken: Zahlen, Daten, Fakten, Logik („Ich denke …“)
  • Meinungen: Werte, Überzeugungen, Standpunkte („Ich bin der Meinung …“)
  • Gefühle: Empfindungen, Beziehungen, Emotionen („Ich fühle …“)
  • Reaktionen: Spontane Vorlieben, Spaß („Gefällt mir!“, „Mag ich nicht!“)
  • Reflexionen/Inaktion: Vorstellungen, innere Bilder, Innehalten („Ich stelle mir vor …“)
  • Aktion: Handeln, Tun, unmittelbares Umsetzen („Ich mache …“)

Rudolf bewegt sich stark in der Wahrnehmungsart „Meinung“ – wertegeleitet, tiefgründig, überzeugt. Max hingegen verkörpert klar die Wahrnehmungsart „Aktion“ – schnell, pragmatisch, lösungsorientiert. Wenn sie aufeinandertreffen, sprechen sie auf zwei völlig unterschiedlichen Frequenzen.

Stress als Verstärker von Misskommunikation

Unter Druck neigen wir dazu, in unseren bevorzugten Kommunikationsstil zurückzufallen – und zwar oft übertrieben stark. Die Folge: Die Fronten verhärten sich. Es geht nicht mehr um Inhalte – sondern um verletzte Bedürfnisse.

Wie wir Misskommunikation vermeiden können

1. Aktiv zuhören

Zuhören ohne sofort zu bewerten oder zu unterbrechen. Statt „Das ist doch Blödsinn!“ könnte Max sagen: „Interessant, warum denkst du das?“

2. Kommunikationsstil erkennen und anpassen

Faktenmensch? → Zahlen, Daten liefern. Werteorientiert? → Überzeugungen anerkennen. Gefühlsbetont? → Empathisch reagieren. PCM nennt das „Andocken auf der richtigen Frequenz“.

3. Klarheit schaffen

„Ich brauche bis morgen eine Zusammenfassung“ ist klarer als „Kannst du da mal drüberschauen?“

4. Konflikte als Entwicklungschance sehen

Konflikte sind nicht per se schlecht. Sie bieten Raum für Klärung und Entwicklung. Einer muss den ersten Schritt machen.

5. Eigene Triggerpunkte erkennen

Jeder hat „rote Knöpfe“, die ihn im Streit reizen. Wer sie kennt, kann bewusster reagieren.

Fazit: Hinter jedem Streit stehen Bedürfnisse

Es geht selten nur ums Sachthema – sondern fast immer um unerfüllte psychologische Bedürfnisse. Rudolf sehnt sich nach Anerkennung seiner Werte. Max will für sein Handeln und seine Lösungsorientierung gesehen werden. Wer seine eigenen Muster kennt, kann Konflikte früher entschärfen.

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