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Viele Unternehmen wollen Fehlerkultur – meinen aber Kontrolle.

Im letzten Blog saß Leo mit seinem Cousin Philipp in einem kleinen Café in Berlin. Die beiden sprachen über Scheitern, innere Messlatten und darüber, warum nur wir selbst beurteilen können, ob wir gescheitert sind oder nicht. Doch während dieses Gesprächs wurde noch etwas deutlich:Scheitern und Fehler sind nicht dasselbe. Denn während Scheitern meistens etwas sehr […]

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andreas

Culture, People & Communication

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Im letzten Blog saß Leo mit seinem Cousin Philipp in einem kleinen Café in Berlin. Die beiden sprachen über Scheitern, innere Messlatten und darüber, warum nur wir selbst beurteilen können, ob wir gescheitert sind oder nicht.

Doch während dieses Gesprächs wurde noch etwas deutlich:
Scheitern und Fehler sind nicht dasselbe.

Denn während Scheitern meistens etwas sehr Persönliches ist, werden Fehler fast immer von außen bewertet.

Und genau dort beginnt ein Thema, das in Unternehmen oft deutlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick wirkt: Fehlerkultur.

Warum wir Fehler automatisch negativ bewerten.

Wenn wir ehrlich sind, lernen die meisten von uns schon sehr früh, dass Fehler etwas Negatives sind.

Zu Hause beginnt es oft mit Sätzen wie:

  • „Das machst du nicht nochmal.“
  • „Du hast Hausarrest.“
  • „Wenn du so weitermachst, bleibst du sitzen.“

Und am nächsten Tag geht es in der Schule weiter.

Wir schreiben ein Diktat, bemühen uns, geben unser Bestes – und bekommen den Text rot markiert zurück. Fehler werden sichtbar gemacht, bewertet und benotet.

Und genau dadurch entsteht etwas, das viele von uns bis ins Erwachsenenalter mitnehmen:

Die Angst davor, Fehler zu machen.

Nicht unbedingt, weil der Fehler selbst so schlimm wäre. Sondern weil wir gelernt haben, dass Fehler fast immer mit negativen Konsequenzen verbunden sind.

Und genau das spürt man später auch in Unternehmen.

Warum Fehler selten dort beginnen, wo sie sichtbar werden.

Das Spannende ist:
Sobald Unternehmen beginnen, sich mit Fehlerkultur auseinanderzusetzen, entsteht oft sofort der Wunsch nach Struktur.

Kategorien. Prozesse. Konsequenzen.

“Was war der Fehler?”

“Wer war verantwortlich?”

“Welche Konsequenz braucht es?”

“Wie verhindern wir das zukünftig?”

Das ist grundsätzlich nachvollziehbar.
Vor allem dort, wo Fehler ernsthafte Auswirkungen haben können.

Das Problem beginnt nur dann, wenn Fehlerkultur ausschließlich über Kontrolle und Bestrafung gedacht wird.

Denn in dem Moment passiert meistens etwas ganz Natürliches:

Menschen beginnen, Fehler zu verstecken.

Und genau dort verliert Fehlerkultur ihren eigentlichen Sinn. Denn sobald Menschen Angst davor haben, Fehler offen anzusprechen, beginnt ein System, in dem nicht mehr gelernt wird – sondern nur noch abgesichert.

Der sichtbare Fehler ist oft nur das Ende der Kette

Ein Satz aus dem Gespräch zwischen Leo und Philipp zieht sich eigentlich durch das gesamte Thema:

„Ein Fehler wird oft erst dann zum Fehler, wenn er sichtbar wird.“

Und genau das ist spannend. Denn das, was sichtbar wird, ist meistens nur das Ende einer viel längeren Entwicklung. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Jemand verursacht einen Autounfall, weil er während der Fahrt aufs Handy schaut. Von außen wirkt die Sache klar: Unachtsamkeit. Fehler. Konsequenz.

Aber beginnt der Fehler wirklich erst dort?

Oder viel früher? Vielleicht bei einem stressigen Morgen. Bei Überforderung. Bei Gewohnheiten. Bei fehlender Konzentration. Oder vielleicht sogar bei Themen, die mit der eigentlichen Situation gar nichts zu tun haben.

Wenn wir immer nur das beurteilen, was sichtbar wird, lernen wir selten etwas über die eigentliche Ursache.

Nicht jeder Fehler entsteht aus derselben Haltung

Und genau deshalb funktioniert Fehlerkultur nie pauschal. Denn Fehler entstehen aus völlig unterschiedlichen Motiven heraus. Manche passieren aus einer guten Absicht.

Jemand hebt etwas Schweres alleine auf, weil er niemanden um Hilfe bitten will – und verletzt sich dabei. Andere entstehen aus Routine. Man macht etwas seit Jahren gleich. Irgendwann sinkt die Aufmerksamkeit. Man wird unachtsam.

Und dann gibt es natürlich auch Situationen, in denen Fahrlässigkeit oder Gleichgültigkeit eine Rolle spielen. Gerade dort braucht es Klarheit, Verantwortung und manchmal auch Konsequenzen. Aber selbst dann bleibt die entscheidende Frage:

Warum ist es überhaupt dazu gekommen?

Was gute Fehlerkultur wirklich braucht

Viele Unternehmen glauben, Fehlerkultur beginnt bei Regeln.

In Wahrheit beginnt sie viel früher.

Nämlich dort, wo Menschen Vertrauen erleben, offen sprechen können, ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen dürfen, und nicht sofort Angst vor Konsequenzen haben müssen.

Denn nur dann entsteht Offenheit. Und genau dort beginnt Lernen.

Leadership bedeutet auch, Menschen hinter dem Fehler zu sehen. Das vielleicht Spannendste an diesem Thema ist: Sobald man sich intensiver mit Fehlerkultur beschäftigt, merkt man relativ schnell, dass es eigentlich nie nur um den Fehler geht.

Sondern immer um den Menschen dahinter. Und genau deshalb reicht reine Fachkompetenz in Leadership heute oft nicht mehr aus.

Menschenführung bedeutet auch, verstehen zu wollen. Nicht alles zu entschuldigen.
Aber genauer hinzuschauen.

Was wir von Leo und Philipp mitnehmen können

Leo beginnt langsam zu verstehen, dass sein Vater Rudi Fehler stark aus seiner eigenen Prägung heraus bewertet. Philipp dagegen betrachtet Fehler anders. Nicht nur das Sichtbare zählt für ihn – sondern auch der Ursprung dahinter. Und vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis dieses Blogs:

Menschen entwickeln sich nicht dadurch, dass sie keine Fehler machen.
Sondern dadurch, dass sie lernen, bewusster mit ihnen umzugehen.

Zum Abschluss eine Frage an dich:

Wie wird in deinem Umfeld mit Fehlern umgegangen?

Geht es darum, Schuldige zu finden? Oder darum, zu verstehen, warum etwas passiert ist?

Denn genau dort entscheidet sich, ob Fehlerkultur Angst erzeugt – oder Entwicklung möglich macht.

Wie ist das in Ihrer Organisation?

Wenn Sie diese Themen in Ihrem Team bewegen wollen — sprechen Sie uns an. Wir nehmen uns 30 Minuten für ein unverbindliches Erstgespräch.